SPD fordert ein Gehalt für pflegende Angehörige

Die SPD fordert in ihrem Landtagswahlprogramm ein Gehalt für pflegende Angehörige.
Darüber informierten und diskutierten Florian Wahl MdL und gesundheitspolitischer
Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ines Palm, SPD-Landtagskandidatin für Heidelberg,
Brigitte Bührlen, Vorsitzende und Stifterin der Stiftung „WIR! Stiftung pflegender
Angehöriger“ und selbst jahrelang pflegende Angehörigen sowie Ursula Hofmann,
Mitglied von wir pflegen e.V., Gründerin von Rückenwind e.V. und pflegende Mutter.

Auf Einladung des Ortsvereins Altstadt-Schlierbach der SPD-Heidelberg versammelten sich am 16.01.2026 ca. 50 Teilnehmende im fast voll besetzten Gemeindesaal der Providenzkirche, um sich über die SPD-Forderung nach einem Gehalt für pflegende Angehörige zu informieren und darüber zu diskutieren.

Das Konzept der SPD sieht vor, dass das Gehalt pflegende und betreuende Angehörige im erwerbsfähigen Alter erhalten, die Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 bis Pflegegrad 5 im häuslichen Umfeld pflegen und betreuen. Die Vergütung soll dabei ausgehend vom allgemeinen Mindestlohn nach Pflegegrad und der Anzahl der erforderlichen Stunden gestaffelt werden. In der lebendigen Diskussion zwischen politischer Expertise und Betroffenenperspektive, begrüßten die Teilnehmenden die Forderung und zeigten reges Interesse hieran.

„Ich begrüße sehr, dass das Konzept die Finanzierung durch Steuermittel vorsieht und somit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe auch gesamtgesellschaftlich finanziert wird. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Politik nicht an den Bedarfen der Betroffenen vorbeiplant, sondern ein intensiver Austausch besteht. Ich würde mich freuen, wenn Sie das Konzept in Baden-Württemberg umsetzen könnten. Machen Sie mal!“, begrüßte Brigitte Bührlen, Vorsitzende und Stifterin der Stiftung „WIR! Stiftung pflegender Angehöriger“ und selbst jahrelang pflegende Angehörige, die SPD-Forderung. Ursula Hofmann ist Mitglied von wir pflegen e.V. und Gründerin von Rückenwind e.V.

Sie selbst pflegt ihre schwerbehinderte Tochter und sieht dringenden Bedarf für die SPD-Forderung: „Die Pflege ist für pflegende Angehörige eine Armutsfalle. Häufig kann man einer Erwerbstätigkeit nicht mehr oder nur eingeschränkt nachgehen. Gerade Mütter rutschen dann ggf. ins Bürgergeld und werden mit der geplanten Reform gegängelt. Obendrein müssen sie dann alle sechs Monate beim Amt nachweisen, dass das Kind immer noch schwerbehindert ist.“

Foto: Sina Weber

Auch für die Heidelberger SPD-Landtagskandidatin Ines Palm ist das Thema zentral wichtig: „Ich fokussiere mich in meinem Wahlkampf bewusst auf Care-Arbeit – sowohl in der Pflege als auch der Erziehungsarbeit. Diese Arbeit wird vor allem von Frauen erbracht und als selbstverständlich angesehen. In der Zeit entgehen den Frauen Rentenpunkte, Karriereschritte und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Kein Wunder, dass Altersarmut vor allem ein Frauenthema ist. Wir dürfen das Thema Pflege nicht als Randthema behandeln und die Angehörigen damit nicht allein lassen. Die Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!“

Foto: Sina Weber

Florian Wahl MdL und gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion betonte, dass das Thema Pflege eines der vier Kernthemen der SPD neben Wirtschaft, Bildung und Wohnen für die Landtagswahl ist: „Uns war es wichtig, mit einem konkreten Konzept das Thema Pflege durch Angehörige anzugehen. Wir wollen geleistete Arbeit würdigen und das Thema Pflege sichtbar machen. Das findet gesellschaftlich und politisch bisher leider kaum statt.“