Bezahlbaren Wohnraum schaffen und sichern
Wir setzen uns dafür ein, dass beim Schaffen von Wohnraum die soziale Infrastruktur mitbedacht wird.
Mit den Konversionsflächen im Patrick-Henry-Village werden wieder große Wohnbauprojekte in der Stadt auf den Weg gebracht. Die neuen Wohnungen müssen für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen bezahlbar sein. Die Wohnungspolitik soll neben der Bezahlbarkeit noch weitere Ziele verfolgen. Wohnungspolitik ist heutzutage auch Standortpolitik und damit eine Förderung des hiesigen Arbeitsmarkts. Mitarbeitendenwohnen wird mittlerweile auch von Land und Bund gefördert. Neuer Wohnraum in Heidelberg muss daher vor allem für Menschen in systemrelevanten Berufen (wie z.B. Erzieher:innen, Verkäufer:innen, Pfleger:innen Bus- und Bahnfahrer:innen), die es schwer haben in Heidelberg etwas zu finden, geschaffen werden. Daneben braucht es genügend Wohnraum für Auszubildende, Studierende und Berufsstarter:innen, damit sie in Heidelberg Fuß fassen können. Darüber hinaus brauchen wir in den kommenden Jahren mehr barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.
Wohnungspolitik langfristig denken
Hierfür sind zwei Stellschrauben notwendig: Zum einen muss die Stadt Flächen in eigener Hand behalten und nur im Erbbaurecht vergeben. Zum anderen muss der Anteil der städtischen Wohnungen am gesamten Wohnungsmarkt kontinuierlich erhöht werden. Nur dadurch kann die Stadt einen größeren Einfluss auf den Wohnungsmarkt erlangen. Wir wollen, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft GGH ihren Anteil am Heidelberger Wohnungsmarkt von derzeit 10 Prozent auf 30 Prozent erhöht. Mit einer Wohngemeinnützigkeit kann die GGH dies noch besser umsetzen.
Durch einen Fokus auf den sozialen Wohnungsbau können wir mehr bezahlbare Wohnungen schaffen. Hierzu möchten wir die eingenommenen Erbbauzinsen der GGH zur Stärkung des Eigenkapitals zur Verfügung stellen. Ferner führen auch Baugenossenschaften zu preiswertem Wohnraum und sollten unterstützt werden. Bestehende Bebauungspläne dürfen die Schaffung von preiswertem Wohnraum nicht verhindern. Wir wollen uns für ressourcen- und klimaschonende Bauweise einsetzen.
Für uns ist klar, dass vor Abriss und Neubau immer auch die Sanierung eines Gebäudes geprüft werden soll – dies soll selbstverständlich auch für (bestehende) Wohnobjekte der GGH gelten. Bei der Bilanzierung müssen die Klimafolgekosten dazu stets mitberücksichtigt werden. Mittels einer „Bodenbewusstseins-Kampagne“ wollen wir die Heidelberger Mieter:innen und Wohnungseigentümer:innen adressieren, die aktuell in einer zu großen Wohnung leben. Wir werden eine städtische Wohnungstausch-Plattform, sowie eine Meldestelle errichten, bei der die eigene Wohnung angeboten und leichter eine preiswerte, kleinere Wohnung gefunden werden kann. Unser Fokus liegt auf dem Erhalt und der Umfunktionierung von Gebäuden.
Zahl geförderter Mietwohnungen erhöhen
Wir setzen uns dafür ein, dass bei allen neuen Wohnungsbauprojekten mindestens 40 Prozent geförderte Mietwohnungen entstehen.
Eine solche Quote ist erforderlich, um sozial vielfältige Stadtteile zu schaffen. Wohnbauflächen, bei denen Investierende die Sozialquote nicht garantieren, sollen in städtischem Eigentum bleiben und entwickelt werden.
Urbane Quartiere mit grünen Oasen – für gemeinschaftliches Leben
Um dem hohen Wohnungsbedarf nachkommen zu können, müssen urbane Stadtquartiere entstehen. Darunter verstehen wir die Schaffung von viel Wohnraum bei wenig Flächenverbrauch, verbunden mit hoher Wohnqualität. Dies kann über kreative Wohnbebauung, wie zum Beispiel über die Nutzung der Dachflächen als Gemeinschaftsflächen oder die Schaffung hochwertiger, auch kleiner, Grün- und Freiflächen mit hoher Aufenthaltsqualität (z.B. Liegewiesen und Grillplätzen) gelingen. Gleichzeitig soll die Bebauung stadtbildverträglich sein und zum gemeinschaftlichen Miteinander in einer funktionierenden Nachbarschaft einladen.
Folglich ist es wichtig, der Versiegelung von Flächen entgegenzuwirken und diese zu begrünen. Familien, Paare und andere Bewohner:innen sollen damit die Möglichkeit erhalten, die Lebensqualität in ihrem Wohnraum zu erhöhen. Auch Innenhöfe als belebte Begegnungsräume für die Anwohnenden können größeren Gebäudekomplexen eine hohe Lebensqualität verleihen. Das Patrick-Henry-Village ist die passende Fläche, um nicht nur einen neuen Stadtteil zu schaffen, sondern auch eine neue Art des Wohnens in Heidelberg zu etablieren.
Wohnraum erhalten und Leerstand bekämpfen
Auf Initiative der SPD gilt seit Ende 2016 das Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum. Seitdem ist es in Heidelberg verboten, Wohnungen in Ferienwohnungen umzuwandeln und diese bei AirBnB oder anderen Internetplattformen zu vermieten.
Auch sachgrundloser Leerstand, etwa zwecks Immobilienspekulation, wird durch das Zweckentfremdungsverbot nicht erlaubt. Die SPD setzt sich für eine Verschärfung des Zweckentfremdungsverbots mittels einer Sanktionierung ein.
Wir regen zudem die Einrichtung eines Leerstandsmelders an. Damit ist es möglich, bestehende oder drohende Wohn- und Gewerbeleerstände zu erfassen.
Neues wagen, denn Vielfalt bereichert auch beim Wohnen
Gemeinschaftliche Wohnprojekte können mit ihrer sozialen und kollektiven Kultur des Wohnens die kulturellen Angebote in den Stadtteilen beleben, bringen junge und alte Menschen zusammen und bieten zudem dauerhaft niedrige Mieten.
Insbesondere Projekte auf Grundlage des Modells des Mietshäusersyndikats bewirken dauerhaft preiswerten Wohnraum, indem der Wohnraum dem Markt entzogen wird. Daher sind diese Projekte sowohl gesellschaftlich als auch wohnungspolitisch sinnvoll. Um mehr gemeinschaftlichen Wohnprojekten eine Perspektive zu bieten, fordern wir die Bereitstellung von Bauflächen für gemeinschaftliche Wohn-projekte auf der Fläche „Harbigweg/Im Kirchheimer Weg“ sowie im Patrick-Henry-Village.
Besondere Förderung sollen inkludierende Wohnungsprojekte und Wohnungsgemeinschaften in der Stadt erfahren. Dabei soll neben finanzieller Besserstellung auch eine Form aktiver personeller Unterstützung beim Aufbau solcher Projekte z.B. aus der GGH erfolgen.
Mehr Ausbildungshäuser und Wohnheimplätze für Studierende und Auszubildende, damit Heidelberg attraktiv bleibt
Auf Initiative der SPD wurde im Jahr 2016 mit dem Ausbildungshaus das erste Wohnheim für Auszubildende in Heidelberg eröffnet. Die große Nachfrage macht deutlich, dass ein Ausbildungshaus nicht ausreicht. Deshalb fordern wir die Anzahl der Wohnheime für Auszubildende kontinuierlich zu erhöhen. Die Verwaltung der Ausbildungshäuser und die Koordination mit den Ausbildungsbetrieben sollen durch die Heidelberger Dienste erfolgen.
Die weitere soziale Durchmischung und Förderung gemeinschaftlicher Wohnformen wollen wir auch dadurch erreichen, dass in städtischer Trägerschaft gemischte Wohnheime für Auszubildende und Studierende betrieben werden. Weitere Ausbildungshäuser müssen realisiert werden. Dadurch soll perspektivisch bei einer stetig ansteigenden Zahl an Auszubildenden und Ausbildungsplätzen in Heidelberg die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum für die Zeit während der Ausbildung gewährleistet sein.
Auch die bestehenden Wohnheimplätze für Studierende können den Bedarf nicht annähernd decken. Deshalb soll die Stadt auf dem Patrick-Henry-Village eine bedeutende Fläche für den Bau von Studierendenwohnheimen einplanen und dieses dem Studierendenwerk zur Verfügung stellen.