Handschuhsheim. Die VVN-BdA, Die Linke, SPD, Bunte Linke, Linksjugend [’solid], der DGB und das Friedensbündnis laden ein zur Einweihungsfeier und Enthüllung des neuen Schildes „Sophie-Berlinghof-Platz“. Auf dem Programm stehen Redebeiträge, Grußworte und musikalische Begleitung.
Die Einweihung findet am Mittwoch den 30.07.2025 um 18 Uhr (bis 19.15 Uhr) an der Ecke Mühltalstraße, Waldweg/Bergstraße statt. Für kalte Getränke ist gesorgt.
Hintergrund
Karl Kollnig (1910-2003) war während der Nazi-Herrschaft SA-Rotten- und Scharführer, Mitglied der NSDAP und Verfasser völkischer und antisemitischer Schriften. Später war er bis 1975 Rektor und Prorektor an der Pädagogischen Hochschule. Die Kommission für Straßenbenennungen hat 2023 vorgeschlagen, den Platz in Handschuhsheim auf Grund der Nazi- Vergangenheit Kollnigs umzubenennen. Ein früheres Bezirksbeiratsmitglied der Linken hat darauf den Vorschlag eingereicht, den Platz nach der Antifaschistin und Kommunistin Sophie Berlinghof (1910-2002) zu benennen, beigefügt ihr von der VVN-BdA Heidelberg erstellter Lebenslauf.
Positionen bekannt sind, die im Widerspruch zu seit 1918 in Deutschland verwirklichten demokratischen Wertvorstellungen stehen, kamen für eine Neubenennung nicht in Frage.“ Gegen Berlinghof spreche ihr Engagement in der KPD, einer Partei, die angeblich „die Weimarer Republik und die Demokratie wie die NSDAP bekämpft“ habe. Sophie stand schon mit 22 Jahren im kommunistischen Widerstand, Vater Karl Kuhn und Sophies späterer Mann Hans Berlinghof waren in der KPD. 1933 wurde Sophie von den Nazis zeitweise in »Schutzhaft« ins Gefängnis „Fauler Pelz“ gesteckt. Von 1947 bis zum Verbot der Partei 1956 war sie für die KPD im Gemeinderat. Auch danach war sie für ihr soziales Engagement nicht nur im Stadtteil Handschuhsheim, in dem sie über 85 Jahre wohnte, beliebt. Ihr kleiner Obstladen war Anlaufstelle für die Bevölkerung. Als langjährige Sprecherin der örtlichen VVN-BdA führte sie bis ins hohe Alter antifaschistische Stadtrundgänge durch und berichtete als Zeitzeugin über die Gräueltaten der Nazis und den Widerstand gegen Faschismus und Krieg.
Die Stadtverwaltung erklärte in einer mehrseitigen „Stellungnahme“ zum Antrag Berlinghof in unsäglicher Gleichsetzungsmanier („links gleich rechts“): „Personen, von denen Positionen bekannt sind, die im Widerspruch zu seit 1918 in Deutschland verwirklichten demokratischen Wertvorstellungen stehen, kamen für eine Neubenennung nicht in Frage.“ Gegen Berlinghof spreche ihr Engagement in der KPD, einer Partei, die angeblich „die Weimarer Republik und die Demokratie wie die NSDAP bekämpft“ habe.
VVN-BdA und Die Linke widerlegten die Behauptungen und Verleumdungen in einem in der Stadt verteilten Flugblatt. Die Kreisvorstände von DGB und GEW beschlossen den Antrag zu unterstützen. In der entscheidenden Gemeinderatssitzung am 20. Februar verwahrte sich auch ein Großneffe von Sophie gegen die Herabwürdigung seiner Verwandten. Gemeinderatsmitglieder erinnerten daran, dass Sophie Berlinghof vor 25 Jahren an ihrem 90. Geburtstag von der damaligen Oberbürgermeisterin geehrt und in der Presse als »Vorbild für alle« bezeichnet wurde. Sie habe die Benennung verdient.
SPD, Die Linke/Bunte Linke und GAL brachten den Vorschlag erneut ein, beantragten außerdem, eine nach dem Nazi-unterstützer Friedrich Endemann enannte Straße in der Weststadt nach dem Widerstandskämpfer Emil Henk (SPD) zu benennen. Nach Annahme dieses Antrags stimmten nach längerer Debatte 22 von 42 anwesenden Gemeinderatsmitgliedern auch für den Sophie-Berlinghof-Platz: SPD, Die Linke / Bunte Linke, die Einzelstadträte von GAL und „Die Partei“ sowie die größte Fraktion der Grünen. Antifaschismus und Erinnerungsarbeit „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ wurden gestärkt.