Gemeinsame Pressemitteilung der SPD Heidelberg und der Jusos Heidelberg
Der Heidelberger Großinvestor Henry Jarecki taucht nach Recherchen von SPD und Jusos Heidelberg in erheblichem Umfang in den sog. Epstein Files auf und sieht sich daher und aufgrund einer mittlerweile zurückgezogenen Klage Vorwürfen u. a. des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung ausgesetzt.
Aufgrund seiner Verbindungen zu Heidelberg und seiner umfangreichen Investitionstätigkeit fordern SPD und Jusos Heidelberg eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe, die vorläufige Einstellung der Beziehungen zwischen Jarecki, den mit ihm verbundenen Stiftungen und der Stadt Heidelberg sowie die Aberkennung von Jareckis Ehrensenatorwürde der Universität Heidelberg und des ihm verliehenen Bundesverdienstkreuzes.
Der Psychiater, Unternehmer und Investor Henry Jarecki war über Jahre hinweg als Förderer wissenschaftlicher und sozialer Projekte in Heidelberg aktiv. Über seine Stiftung wurden unter anderem Kinder- und Jugendeinrichtungen wie der Spielplatz „Im Eichgärtlein“ in Kirchheim oder die „Kinderbaustelle“ im Heidelberger Stadtteil Emmertsgrund unterstützt.
Besonders bedeutend ist das Engagement am Campus Bahnstadt: Dort wurden durch die Max-Jarecki-Stiftung bislang vier Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 250 Millionen Euro realisiert, drei weitere Vorhaben befinden sich in Planung oder Umsetzung.
Für sein Wirken erhielt Jarecki 2014 die Ehrensenatorwürde der Universität Heidelberg sowie 2016 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse überreicht von der damaligen Baden-Württembergischen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und dem Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner in der Alten Aula der Universität Heidelberg.
Das von Jarecki sorgfältig gepflegte Image des harmlosen, wissenschaftsliebenden Philanthropen gerät durch die Veröffentlichungen des amerikanischen Justizministeriums (Department of Justice, DOJ) und einem Zivilverfahren stark ins Wanken. Henry Jarecki erscheint hier als enger Freund Jeffrey Epsteins, der um die zahlreichen Missbrauchsfälle wusste und aktiv daran teilnahm.
Epstein und Jarecki schreiben einander über 450 Mails (Stand der Veröffentlichung durch das DOJ am 22.02.2026). In einem Austausch vom 14.06.2010 schreibt Epstein etwa: „If there is anything i can do, you can count on me“ und Jarecki antwortet: „Thanks. I know.“ In einer anderen Mail schlägt Jarecki vor, ein gemeinsames Buch zu schreiben, mit dem sprechenden Titel: „What If I Get Caught“. Besonders auffällig ist auch eine Mail vom 22.07.2009, der Tag, an dem Epstein zum ersten Mal aus dem Gefängnis entlassen wurde (er saß dort wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen). In dieser schreibt Jarecki: „‚The king’s restored!‘ I hope you do not come to your senses. And when’s the party?“.
Als einer seiner engsten Freunde schrieb Jarecki 2003 in ein Geburtstagsbuch von Jeffrey Epstein zum 50. Geburtstag – sein Eintrag findet sich noch vor der bekannt gewordenen Zeichnung eines nackten Frauenkörpers von Donald Trump. Der Ton ist freundschaftlich, man kennt sich.
Jarecki selbst wurde 2024 von einer Frau wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung in einem Zivilverfahren verklagt. In der Klage wird Jarecki als der “go-to doctor” von Epstein beschrieben. Epstein vermittelte demnach die von ihm und seinen Mittätern sexuell missbrauchten Opfer an Jarecki, wenn diese infolge des Missbrauchs an Depressionen litten. Im weiteren Verlauf der “Behandlung” der Opfer soll Jarecki den vertraulichen Inhalt der Gespräche mit den Opfern an Epstein weitergegeben haben, um den Sexhandel und sexuellen Missbrauch Epsteins und seiner Mittäter zu ermöglichen und die Mädchen und jungen Frauen weiter zu erpressen.
Nach der Klageschrift nutzte Jarecki seine Machtposition gegenüber Epsteins Opfer aber auch aus, indem er die Klägerin in New York festhielt und sie über Monate hinweg fast täglich vergewaltigte. Ein Urteil wurde nie gesprochen, die Klage wurde von dem Opfer nach eigenen Angaben “freiwillig” mit dem Zusatz zurückgenommen, dass sie nicht nochmal eingereicht werden darf. Es stellt sich die Frage, welche Gründe das Opfer zu diesem Schritt veranlassten und ob und welche Rolle Jarecki dabei spielte.
Zusammenfassend zeichnen die Schilderungen der Klageschrift und die bisher bekannten Informationen aus den Epstein-Files ein Bild von Jarecki als Vertrauten Epsteins und integralen Bestandteil von dessen Sex- und Missbrauchsring. Neben den Missbrauchsvorwürfen gegen die eigene Person hatte er demnach enge Verbindungen zu Epstein und seinem Umfeld – etwa auch Ghislaine Maxwell, mit der er gemeinsam etwa von New York aus anreiste, um Epsteins sog. “Zorro-Ranch” zu besuchen.
„Die Vorwürfe gegen Jarecki sind schwerwiegend und müssen aufgeklärt werden. Die bisherigen Äußerungen der Universität Heidelberg und der Stadt Heidelberg beziehen sich ausschließlich auf eine mögliche strafrechtliche Bewertung Jareckis durch Ermittlungsbehörden. Wir fordern Universität und Stadt nochmals mit Nachdruck auf, sich darüber hinaus auch selbst mit den Vorwürfen sowie den vorgelegten Dokumenten und Informationen auseinanderzusetzen und die bisherige und künftige Zusammenarbeit kritisch zu hinterfragen. Zudem fordern wir die Aberkennung des an Jarecki verliehenen Bundesverdienstkreuzes”, macht Marvin Frank, Pressesprecher der SPD Heidelberg, deutlich.
SPD-Stadtrat Daniel Hauck meint: „Aufgrund der Verbindungen Jareckis zu Heidelberg ist für uns als SPD Heidelberg insbesondere das Verhältnis zwischen Jarecki, seinen Stiftungen und der Stadt Heidelberg neu zu bewerten. Bis die Vorwürfe ausgeräumt sind, muss die Stadt Heidelberg die Beziehungen zu Jarecki und den mit ihm verbundenen Stiftungen einstellen.”
Juso-Sprecher Paul Groebler fordert: „Aus diesen Erkenntnissen müssen Konsequenzen folgen. Ein Mensch wie Henry Jarecki ist kein Partner für Heidelberg! Gerade die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Patientinnen und der Weitergabe von vertraulichen Pateintendaten widersprechen insbesondere den akademischen Grundsätzen der Universität Heidelberg. Wir fordern daher die Aberkennung der Ehrensenatorwürde und die Aufkündigung jeglicher Beziehungen zwischen Jarecki und der Universität Heidelberg!“
Sämtliche in Bezug genommenen E-Mails, Dokumente und sonstigen Informationen wurden von Mitgliedern der SPD Heidelberg recherchiert. Die SPD Heidelberg bedankt sich ausdrücklich bei ihren Mitgliedern für dieses beispiellose Engagement und den großartigen Einsatz. Die Informationen sind in dem nachfolgend verlinkten Google Drive Ordner auffindbar:
https://drive.google.com/drive/u/2/folders/1mJSAWX84QVDO_bxQtGntYa0DIXwVGY1
SPD und Jusos Heidelberg haben über den Komplex bereits in zwei Videos informiert, die nachfolgend verlinkt sind: