Am letzten Treffen des Jahres des AK Internationales, am 12. Dezember, durften wir die Sinologin Dr. Marina Rudyak begrüßen. Marina Rudyak ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centrum für Asien- und Transkulturelle Studien der Universität Heidelberg. Sie forscht zur chinesischen Entwicklungszusammenarbeit und Außenpolitik, ist Co-Autorin des Referenzwerks Decoding China Dictionary und berät neben ihrer Forschung die Bundesregierung und internationale Organisationen zu China.
In informeller Runde erfuhren die Anwesenden von Marina mehr über den Inhalt ihrer jüngsten Publikation zu Chinas System der Entwicklungsfinanzierung mit Fallstudien zu Afrika, die in der gleichen Woche von der Friedrich-Ebert-Stiftung publiziert wurde. Mit verbreiteten Vorstellungen, wie dass die chinesische Entwicklungszusammenarbeit mit Schlagwörter wie „Schuldendiplomatie“ hinreichend akkurat beschrieben wäre oder dass „China“ ein monolithischer Akteur ist, räumte Marina zügig auf. In zahlreichen Exkursen zu finanziellem Umfang, organisatorischem Aufbau, Selbstwahrnehmung und langfristigen Zielen des Systems chinesischer Entwicklungsfinanzierung konnten wir ein Gefühl für die Komplexität der Thematik bekommen. Ganz konkret diskutierten wir auch die Vor- und Nachteile, die sowohl westliche als auch chinesische Hilfen für die Empfängerländer haben und auf welchen Gebieten Konkurrenz herrscht.
Ein weiterer zentraler Gegenstand der abendlichen Diskussion war der Ist-Zustand der Chinakompetenz in der Deutschen Öffentlichkeit. Wir mussten feststellen: Während China die westliche Welt seit 150 Jahren intensiv studiert und auch in den USA eine beachtliche Forschungslandschaft zu China entstanden ist, wird die Sinologie in Deutschland oft als Orchideenfach wahrgenommen und ist – angesichts der geopolitischen Lage – in der deutschen Forschungslandschaft signifikant unterrepräsentiert. Man könnte frotzeln, dass Deutschland besser auf den systemischen Wettbewerb mit dem Römischen Reich vorbereitet ist (ca. 120 Professuren in Altphilologie), als auf den Wettbewerb mit der Weltmacht China (ca. 40 Professuren, davon wiederum nur ein Bruchteil in Politik und Wirtschaft).
Wir als AK Internationales möchten unseren Beitrag leisten, dem Themenkomplex China im gesellschaftlichen Diskurs zu mehr Präsenz und mehr Tiefe zu verhelfen und werden auch in Zukunft weitere Veranstaltungen zu diesem Themenkomplex anbieten. Denn: Andere Länder mit ihren eigenen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Dynamiken zu verstehen und einschätzen zu können („Strategische Empathie“) ist eine Grundvoraussetzung von Konfliktprävention und somit elementarer Bestandteil einer sozialdemokratischen Außenpolitik.
Interessierte Gäste sind bei uns im AK Internationales stets willkommen.