Bürgerbegehren Ankunftszentrum

Faktencheck Ankunftszentrum

Muss das Ankunftszentrum aus Patrick Henry-Village heraus, damit der Stadtteil entwickelt werden kann?

Die Planungen der Stadt und der internationalen Bauausstellung Heidelberg gehen davon aus, dass ungefähr 10.000 Einwohnenden und 5.000 Arbeitsplätze im Patrick-Henry-Village (PHV) Platz finden. Diese Einwohnerzahl sei die Mindestgröße für einen funktionierenden Stadtteil. Für ein soziales und funktionelles Zusammenleben der Menschen eines Stadtteils bedarf es in der Tat einer gewissen Größe, damit sich Einrichtungen wie Schulen, Freizeiteinrichtungen, und Geschäfte des täglichen Bedarfs und Restaurants lohnen. Die Berechnungen für den neuen Stadtteil ergaben bisher noch einen deutlichen Überschuss bei den Arbeitsplätzen und einen Mangel bei den Einwohnenden. Die Geflüchteten würden das Verhältnis der Einwohnenden erhöhen, aber gleichzeitig auch ca. 500 Arbeitsplätze in den Stadtteil integrieren. Die bisherigen Planungen für PHV müssten angepasst werden.

Verhindert das Ankunftszentrum nötigen Wohnraum?

Wie gesagt, ist eine Erstellung preiswerter Wohnungen auch mit einem Ankunftszentrum für Flüchtlinge möglich, sogar in größerer Zahl als in den Planungen bisher vorgesehen. Hierzu ist jedoch eine Sichtweise erforderlich, die sich am Gemeinwohl, an dem, was die Stadt braucht, orientiert. Z.B. könnten die Ziele für die Fläche pro Einwohner angepasst werden und der Anteil im hochpreisigen Segment reduziert, bzw. aufgegeben werden.
Investoren, die die größtmögliche Rendite möchten und nicht an einer sozialen Durchmischung interessiert sind, brauchen für uns nicht in PHV investieren.

Wird das Ankunftszentrum in der Größe oder Form später einmal nicht mehr gebraucht, können die Gebäude in der isolierten Lage der Wolfsgärten nicht anderweitig genutzt werden. Im neuen Stadtteil könnten die Gebäude sehr viel leichter integriert und umgenutzt werden.

Viele Menschen leben an Bahntrassen oder auch an Autobahnen, was ist in den Wolfsgärten anders?

Selten gibt es Wohngebiete, die an einem Autobahnkreuz, also zwei sich kreuzenden Autobahnen und einer fünfspurigen Bahntrasse gleichzeitig liegen. Außerdem sieht die Unterbringung in den Wolfsgärten ein isoliertes Zentrum vor, das von drei Straßen/Bahn-Seiten umgeben ist und keine Angliederung an weitere Wohngebiete bietet. Der Platz ist sehr knapp und wird kaum Möglichkeiten zur Erholung oder Integration bieten.

Warum ist uns ein Ankunftszentrum in einem Stadtteil so wichtig?

Dass es im Ankunftszentrum nicht um Integration gehe, steht nirgends. Es wird aber von Verantwortlichen immer wieder gern vorgetragen. Die Wirklichkeit und die wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen dieser Auffassung jedoch entgegen. Viele Geflüchtete wollen die Menschen, das Land, die Sprache kennenlernen, sobald sie im Land sind. Sie suchen Kontakt, Gesellschaft und Unterstützung.

Integration bzw. Inklusion lässt sich nicht aufschieben auf einen späteren Zeitpunkt. Sie existiert, sobald Menschen auf der Flucht ein Land betreten. Es ist ein stetiger, auch widerstreitender Prozess. Eine solidarische Stadt aber nimmt hilfsbedürftige Menschen in ihrer Mitte auf, statt sie auszugrenzen. Das über Jahre gewachsene Netz an Helfer*innen wird mit der Verlagerung geschwächt und die Arbeitsbedingungen werden am neuen Standort deutlich schlechter sein.

Quellen: Masterplan Patrick-Henry-Village, Aussagen Innenministerium BW, Bündnis Ankunftszentrum HD

Unsere Bündnispartner*innen:

AK Umweltpolitik, NABU – Antifaschistische Initiative Heidelberg – Antirassismus vor Acht – Asylarbeitskreis Heidelberg – Attac Heidelberg – Ausländerrat Heidelberg -Bündnis für gerechten Welthandel – Bunte Linke Heidelberg – Chancen gestalten Heidelberg e.V. – DIE LINKE – Die PARTEI – Extinction Rebellion Heidelberg – FokusS Heidelberg – Fridays for Future Heidelberg – Grün-Alternative Liste Heidelberg – Heidelberg in Bewegung – Jusos Heidelberg – Linksjugend solid – Migration Hub – Seebrücke Heidelberg – Solidarity City – Volt Europa – VVN Heidelberg – Werkstatt Gesundheit – und viele Heidelberger Menschen