Bericht zu „Smart Work – Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?“

Am 26. September hat die SPD Heidelberg eingeladen, das Thema zu diskutieren. Zu Beginn gab Johannah Illgner, Mitglied des Kreisvorstands, eine kurze Einführung.

„New Work“ beschreibt ein philosophisches Konzept, das die „Neue Arbeit“ vor dem Hintergrund von Globalisierung und Digitalisierung beschreibt. Es betrachtet Arbeit unter den Aspekten Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Es geht auch darum, selbstständig zu arbeiten und seine eigene Persönlichkeit einzubringen: Was will ich wirklich tun und wie will ich arbeiten? Wie hat Solidarität und Gemeinschaft bereits ihre Umsetzung gefunden, z.B. durch das Internet, Open Source oder Crowdfunding?

New Work heißt weniger Hierarchien und mehr Teamarbeit, transparentere Zusammenarbeit, neue Kommunikationstools, Optimierung von Projektmanagement und Design Thinking. Auf dem Vormarsch sind flexib­lere und produktivere Arbeit. Die Trennung zwischen Ar­beit und Freizeit ist weniger strikt, die Arbeitsplätze verändern sich hin zu „Coworking spaces“ oder „desk sharing“. Das ist ein gemeinsamer Arbeitsraum oder ein „geteilter“ Schreibtisch.

All diese Entwicklungen haben Vor- und Nachteile, die es gut abzuwägen gilt: Flexible Arbeitszeiten und home office, also die Möglichkeit, zu Hause oder mobil zu arbeiten, machen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, besonders für Frauen, einfacher. New Work bedeutet auch mehr Selbstständigkeit, neue Ideen und die Möglichkeit kreativer Auszeiten.

Im Gegensatz dazu führt diese neue Art der Arbeit schnell zu Überforderung von Unternehmen und Menschen durch die steigende Verantwortung. Der Druck zur Weiterbildung nimmt zu, und Erneuerungen fordern Technik-Affinität. Die Grenzen von Beruf und Privatleben verschwimmen, viele Menschen sind ständig erreichbar…schöne neue Welt!?

Die anschließende Diskussion moderiert Erik Tuchtfeld, Mitglied des SPD-Kreis­vorstands und Sprecher der Arbeitsgruppe Digitale Gesellschaft. Das angebotene Fishbowl-Format ermöglicht es den Saalgästen, sich aktiv an dem Gespräch zu beteiligen. Die Einführungsfrage an die Runde unserer Gäste: Was ist für Sie „Smart Work“? Was sind die Chancen und Risiken?

Dr. Benedikt Krams, Geschäftsführer von Match Rider UG, hebt die Vorteile der räumlichen und zeitlichen Flexibilisierung der Arbeit hervor, die von den eher jungen Mitarbeiter*innen geschätzt wird, und durch die Kund*innenanforderungen schneller umgesetzt werden können.

Elke Manjet, Senior Vice President Human Resources, Products & Innovation, SAP SE, stellt die Anforderungen an die Mitarbeiter*innen in den Vordergrund: Digitali­sierung fordert lebenslange Weiterbildung und neue Lernkonzepte. Wechselnde Pro­jekte und selbstbestimmte Teams verändern die Rolle der Führungskräfte, Verant­­­­­wort­­­lichkeiten werden neu verteilt. Mitarbeiter*innen erwarten vom Unternehmen neben guter Arbeit mehr Engagement für die Gesellschaft.

Matthias Straub, Personalleiter der Stadtwerke Heidelberg, bringt es auf den Punkt: Smart Work verändert die Arbeitswelt und die ganze Gesellschaft.

Die Frage nach der hohen Geschwindigkeit, mit der sich die Arbeitswelt derzeit verändert, zeigt auch die Verantwortung der Unternehmen. Matthias Straub weist darauf hin, dass auch die Anforderungen an Führungskräfte steigen. Stichwort ist hier empowering leadership (selbstverantwortliches Arbeiten). Letzten Endes tragen sie die Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Elke Manjet sieht die Verantwortung der Fürsorge sowohl bei den Mitarbeitenden als auch beim Führungs­personal. Flexible Arbeitszeiten dürfen nicht zu ständiger Erreichbarkeit führen. Ihre Firma bietet als Ausgleich zum Beispiel Sportprojekte oder Achtsamkeitstraining an. Benedikt Krams weist darauf hin, dass das Führungspersonal von vornherein klar mitteilen muss, was erwartet wird und was nicht.

Ein nächster wichtiger Punkt ist die Vereinbarkeit der neuen Art zu arbeiten mit ehrenamtlichem Engagement. Die Referent*innen sind sich einig, dass Freizeit weiterhin einen wichtigen Stellenwert haben muss. Matthias Straub weist darauf hin, dass der Wunsch nach Flexibilisierung der Arbeits- und Freizeit aus der Gesellschaft, nicht aus den Unternehmen, kommt. Er sieht darin den Hauptgrund für den Rück­gang des Engagements in Vereinen und Parteien.

In Zeiten von Home Office und immer weiter fortschreitender örtlicher Trennung der Arbeitnehmer*innen von den Betrieben, muss auch neu geklärt werden, wie die Mitarbeiter*innenrechte neu definiert und gestärkt werden können. Alle Gäste erklären, dass die Angebote von Home Office oder mobilen Arbeitsplätzen den persönlichen Kontakt zur Firma und zu den Kolleginnen und Kollegen nicht ersetzen dürfen. Teamarbeit und gemeinsame Veranstaltungen sind nicht zu ersetzen, betont z. B. Benedikt Krams.

Die Frage, wie neue Arbeit zukünftige Arbeitsverträge und soziale Absicherung ver­ändert, kann zu diesem Zeitpunkt nicht endgültig beantwortet werden. Elke Manjet berichtet z.B., dass viele junge Menschen keine feste Bindung mit dem Unternehmen eingehen, sondern lieber kurzfristig angestellt oder in Projekten arbeiten wollen. Die Sorge, dass sich auch in Deutschland eine ähnliche Entwicklung wie beim US-ameri­kanischen Uber, wo Menschen in legalen Grauzonen für niedrige Transportkosten arbeiten, entkräftete Benedikt Krams. Die derzeitige deutsche Gesetzgebung lässt dies nicht zu. In Deutschland ist Uber deshalb nicht günstiger als Taxis. Mitfahrgelegen­heits-Konzepte basieren nur auf Kostenentschädigung, nicht auf Anstellungsverhältnissen.

Die demografische Entwicklung stellt auch die Arbeitswelt vor neue Herausforderungen. Einen Generationenkonflikt sehen Matthias Straub und Elke Manjet nicht. Herr Straub argumentiert, dass Interesse an neuen Arbeitsweisen und Digitalisierung nicht unbedingt vom Alter abhängt. Beide sehen die Notwendigkeit, dass Führungskräfte in der Lage sein müssen, Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten und Ambitionen integrieren zu können. Nur in gut durchmischten Teams ist solidarische Arbeit möglich.

Kritisch wird angemerkt, dass gerade bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in prekären Beschäftigungsverhältnissen die Gefahr besteht, dass die Flexibilisierung der Arbeitszeit zur Ausbeutung führt.

Das führt dann zur abschließenden Frage: Wie geht es mit dem Thema nach der Veranstaltung weiter? Der Anspruch an die Sozialdemokratie muss sein, die neue Arbeitswelt fair und solidarisch zu gestalten. Es gilt, die Abkopplung von Beschäftigten mit geringer Qualifikation zu verhindern. Das gelingt durch die konsequente Einforderung von Weiterbildungs-konzepten, verbunden mit dem Ermöglichen lebenslangen Lernens und einer zukunftsorientierten Organisation der Arbeit.

Eine weitere große Herausforderung ist die neue Definition von Arbeitnehmer*in und Betrieb. Früher war alles eng miteinander verbunden. Heute sind betriebliche Grenzen diffuser, digitale Plattformen werden zunehmend einbezogen. Wie sieht mit New Work betriebliche Solidarität aus? Es muss verhindert werden, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegeneinander ausgespielt werden.

Wenn Sie nun Lust haben, sich gemeinsam mit uns für diese Ziele einzusetzen, melden Sie sich bei uns unter kv.heidelberg@spd.de.

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